Im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung sind derzeit viele Kommunen bestrebt, das Verhältnis zwischen Verwaltung und Bürger im Sinne des Bürgers freundlicher und für die Verwaltung effektiver zu gestalten. In ersten Schritten gehen Kommunen oft dazu über, ihr Dienstleistungsangebot in so genannten Bürgerämtern konzentriert anzubieten, sodass aus Sicht des Bürgers nur ein Anlaufpunkt für alle Dienstleistungen der Verwaltung anzusteuern ist (persönlicher Kontakt). Die folgenden Schritte beziehen sich dann zumeist auf den Ausbau einer Internetpräsenz (elektronischer Kontakt), über welche der Bürger selbständig die entsprechenden Dienstleistungen beantragen bzw. wahrnehmen kann, oder in Richtung eines Call Centers (telefonischer Kontakt) als Informationsangebot für den Bürger.
In diesen Szenarien werden aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zufrieden stellend behandelt. Der Weg in das Bürgerbüro ist für einige (alte, kranke oder behinderte) Bürger mit erheblichen Aufwänden verbunden (Fahrdienste etc.) oder nur durch Vertreter möglich. Der Verwaltungszugang via Internet setzt eine entsprechende Infrastruktur (PC + Anschluss + digitale Signatur bei Online-Anträgen) sowie eine gewisse Erfahrung im Umgang mit dem Internet (WWW-Browser, etc.) voraus, wobei beides nicht nur in den erwähnten Bevölkerungsgruppen nicht unbedingt vorhanden ist. Auch bleiben erfahrungsgemäß trotz ausführlicher Erläuterung auf den Websites in vielen Fällen Fragen offen, die nicht vom Online-Hilfsangebot abgedeckt werden, also eine qualifizierte persönliche Beratung erfordern.
Als sinnvolle Ergänzung zu den drei oben genannten Vertriebswegen bietet sich ein mobiles Bürgeramt an. Ein Bürgerberater kommt mit mobilem Equipment nach Vereinbarung oder zu festen Terminen zu Standorten, die ”bürgernah” sind (er kommt dem Bürger quasi entgegen), verbindet sich über Mobilfunk mit dem Verwaltungsnetz und bearbeitet abschließend vor Ort Dienstleistungen (von der Auskunft und Beratung über Antragsaufnahmen bis hin zur Bezahlung und zur Aushändigung von Dokumenten). Solche Dienstleistungen betreffen unter anderem Themen wie Meldeangelegenheiten, Pass- und Personalausweisangelegenheiten, Lohnsteuerkarten oder Wohngeld.
Temporäre Anlaufpunkte eines mobilen Bürgeramts können Einkaufspassagen und Wochenmärkte, Krankenhäuser sowie Senioreneinrichtungen sein, aber auch Freizeitzentren, Schulen, Kindertagesstätten oder Bibliotheken. Unter bestimmten Randbedingungen sind auch Hausbesuche denkbar, für die dann aber in der Regel zusätzliche Gebühren zu entrichten wären.

Bild vergrößern: Mögliche Standorte eines mobilen Bürgeramts
Das Projekt MoBüD hat nun - ausgehend von diesen Überlegungen - die Technik (u.a. Infrastruktur und Endgeräte) für ein mobiles Bürgeramt entwickelt und diese ein Jahr lang im Probebetrieb in zwei Berliner Bezirken getestet. Im Rahmen einer Begleitforschung wurden bei Bürgern/Kunden und Nutzern/Bürgerberatern Daten zur Akzeptanz erhoben, insbesondere wurde überprüft, inwieweit der Anspruch ”mehr Bürgerfreundlichkeit” eingelöst wurde.